Reisen allgemein

Eine Reise ist das Verlassen eines vertrauten Terrains. Man begibt sich in die Fremde, welche sowohl im Inland als auch auf einem anderen Kontinent liegen kann.

­Der entscheidende Faktor beim Reisen ist, dass sich fremde Sprach-, Rechts-, Glaubens-, Verhaltens- und Esskulturen von eigenen Gewohnheiten unterscheiden können.

Aufgrund neuer Informationen können bisherige Anschauungen, die als normal angesehen wurden, in dem Vergleich mit unbekannten Gesellschaftsstrukturen relativiert ­werden. Der Reisende hat die Möglichkeit alte Denkweisen kritisch neu zu bewerten, sie zu hinterfragen und eventuell abzulegen. Beim Eintauchen in eine neue Welt macht er also einen Lernprozess durch - denn Reisen bildet durch Kulturschock. Etwas Neues, fremde Systeme, möglicherweise auch nur Varianten von üblichen Herangehensweisen stellen das Gehirn vor unbekannte und bisher ungelöste Aufgaben. Ein äußerer Reiz - beispielsweise eine Fremdsprache - regt an, wirkt neurobiologisch und erweitert den persönlichen Horizont. Man lernt dabei; das Reisen fordert und fördert. Auch wenn die Fremdsprache nur ein Dialekt ist.

Egal ob Kurz- oder Weltreise, ob in Buxtehude bei Hamburg oder Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas: Exotisch (und damit stimulierend) kann der spröde Charme einer norddeutschen Fischverkäuferin ebenso sein wie das Monsunklima in Südostasien mit einem Temperaturtiefstand von 26 °C im Dezember. Neu ist neu...und außerdem aufregend, anstrengend, ändernd.

Dabei ist es nie einfacher gewesen sich fortzubewegen. Automobile, transkontinentale Eisenbahnnetze, globale Flug- und Fährverbindungen ermöglichen es heute grundsätzlich, auch sehr weit entfernte Ziel von beliebigen Orten aus zu erreichen. Seit dem Ende des kalten Krieges 1989 sind fast alle Staaten verkehrstechnisch derart vernetzt, dass man im Notfall maximal 72 Stunden von der entlegensten Bushaltestelle in Bolivien bis in das eigene Bett braucht. Die mobile Infrastruktur ist umfassend ausgebaut und seit der ersten Pauschalreise, organisiert von Thomas Cook im Jahr 1841, sukzessive auch für den Massentourismus erschlossen worden. Noch nie zuvor hatte ein dermaßen großer Anteil der Weltbevölkerung, begrenzt auf die Industriestaaten, faktisch die Gelegenheit um die Erde zu reisen. Ökonomisch und ökologisch ist dies wohl nicht erstrebenswert, aber es ist technisch machbar. Der Äquatorumfang von 40.075,017 Kilometern ist gegenwärtig keine Distanz mehr, die von einer einzelnen Person nicht bewältigt werden könnte. Eine umweltschonende Entwicklung der Verkehrs- und Transportwissenschaft vorausgesetzt, birgt dies ein großes Potential die gemeinsame Situation aller Menschen in Zukunft durch Reisende verbessert transportieren zu können. Bei allen Unterschieden und kulturellen Gegensätzen gibt es nämlich genug Gemeinsamkeiten, ein gemeinsames interkulturelles und moralisches Substrat menschlicher Gesellschaften, dass sich dem Reisenden mit der Zeit erschließt. Wenn das geschieht, wird er dessen Botschafter.

Ein weiteres Positivum des Reisens ist die Tatsache, dass man merkt, welche Sachen und Konsumgüter wichtig und welche es nicht sind. Bereits beim Einpacken selektiert man zwischen notwendigen Dingen und anderen. Dabei beschränkt sich das Gepäckgewicht normalerweise auf einen Umfang von cirka 20 Kilogramm, und zwar unabhängig von der Reisedauer. Die Bestandteile des eigenen Haushaltes auf das Volumen eines Rucksacks oder Koffers zu reduzieren, dies verdeutlicht dem angehenden Reisenden den ethischen Materialismus - bloßes Streben nach Besitz und Eigentum führt nicht zum Glück. Dagegen kann das Sammeln von Erfahrungen auf einer Reise die Glücksfähigkeit enorm steigern.


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KW 25 - Freitag, 23. Juni 2017